Nacktschneckentod und Marasmius oreades





aktualisiert: 12.02.2021 12:25:44



Ein interessanter Artikel zu den blausäurebildenden Basidiomyceten mit der Frage ob die Cyanognese einen taxonomischen Wert hat von L. Göttl, Zeitschrift für Pilzkunde, August 1976
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Der Schneckenfrass sagt ja absolut nichts über die Speisefähigkeit eines Pilzes aus, verlässt man sich auf diese Art von Orakel, lebt man gefährlich. Schnecken verdauen anders und ihnen machen die meisten Gifte nichts aus und das was sie nicht mögen, das lassen sie links stehen. HCN kann unter Laborbedingungen (in einem geschlossenen Gefäss) Schnecken töten. Gemäss Artikel können aber auch andere flüchtige Elemente bzw. Duftstoffe der Pize für Schnecken eine letale Wirkung haben, aber eben nur unter Laborbedingungen, kaum in der freien Natur. Der Versuch entstand, um Methoden des Blausäure-Nachweises zu untersuchen.
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Hier der einleitende Text aus dem Artikel.
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Als A.v. Loesecke 1871 ein Zimmer betrat, in welchem seit einigen Stunden eine Schüssel mit Nelkenschwindlingen stand, bemerkte er einen durchdringenden Gemisch von Cyanwasserstoff. Seine chemischen Untersuchungen ergaben einwandfrei, dass Marasmius oreades (Bolt. ex Fr.) Fr. die hochgiftige Blausäure (Cyanwasserstoff, HCN) "aushaucht". Dies war der erste HNC-Nachweisbei einem Blätterpilz.
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Auf ganz andere Weise wurde ich auf die Cyanogenese (HCN-Bildung) durch den Nelkenschwindling aufmerksam: Ich wollte die Wirkung von Pilzgiften auf Nacktschnecken untersuchen und fütterte daher Wegschnecken (Arion rufus und Arion lusitanicus) mit essbaren und giftigen Pilzen (Göttl 1974). Keiner der zahlreichen Frischpilze, von denen die Schnecken fraßen, hatte eine schädliche Wirkung, nicht einmal der Grüne Knollenblätterpilz. Die einzige Ausnahme war Marasmius oreades. Obwohl die Schnecken diesen guten Suppenpilz fast unberührt ließen, verendeten sie nach 2-3 Tagen. Da fing ich an, mit den Nelkenschwindlingen zu experimentieren. Ich sperrte die Schnecken in einen durchlochten Behälter und trennte sie so von den Pilzen, die in einem Konservenglas lagen. Wieder starben die Nacktschnecken nach 2-3 Tagen, ohne mit den Fruchtkörpern in Berührung gekommen zu sein. Giftige Gase, von den Schwindlingen stammend, mussten also den Tod der Versuchstiere verursacht haben.
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Erst nach längerem Suchen fand ich im Schrifttum des Malakologen (Schalen und Weichtierforscher) Fröming (1951, 1962) nähere Angaben über Blausäurebildung bei Marasmius oreades und einigen anderen Pilzen.
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